Beyond Code: Skills für den nächsten Karriereschritt

Alexander Arians

Als Entwickler sind wir es gewohnt, ständig neue Frameworks und Programmiersprachen zu erlernen – wir sind Autodidakten, die mithilfe von Tutorials und Online-Ressourcen unsere technischen Fähigkeiten ausbauen. Doch was passiert, wenn man an einen Punkt gelangt, an dem reine Coding-Skills nicht mehr ausreichen, um weiterzukommen? Nach acht Jahren als Entwickler stand ich genau an dieser Weggabelung ohne klaren Karrierepfad in meinem Unternehmen. Es gab keine definierten Rollen wie Staff Engineer, keine eindeutigen Erwartungen und nur wenig Unterstützung, wenn es darum ging, über die Senior-Developer-Position hinauszuwachsen.

Zwar bieten viele Unternehmen heute klarere Karrierewege an als noch vor einigen Jahren, doch diese unterscheiden sich stark von Organisation zu Organisation. Damit liegt die Verantwortung letztlich bei uns selbst in welche Richtung wir uns weiterentwickeln. Werfen wir also einen Blick auf die entscheidenden Skills und Denkweisen, die deine Karriere auf das nächste Level heben können.

Karrierewege

Nach dem Aufstieg vom Junior- zum Senior-Developer teilen sich die typischen Karrierewege. Der Individual Contributor-Pfad umfasst Rollen wie Staff Engineer, Principal Engineer und Distinguished Engineer – jeweils mit wachsendem Einflussbereich und zunehmender Verantwortung.

Staff Engineers sind technische Experten, die Architekturentscheidungen treffen, komplexe Probleme lösen und als Schnittstelle zwischen Entwicklern und Führungsebene agieren.

Principal Engineers übernehmen strategische Verantwortung für größere Projekte, prägen langfristige technologische Entscheidungen und definieren unternehmensweite Standards.

Distinguished Engineers schließlich sind anerkannte Branchenführer, die Innovation vorantreiben, maßgeblich zur technischen Vision ihres Unternehmens beitragen und häufig sogar die gesamte Industrie beeinflussen.

Alternativ führt der Leadership-Pfad zu Positionen wie Engineering Manager, Director of Engineering und VP of Engineering – mit Schwerpunkt auf Führungs- und Personalthemen. Eine dritte Möglichkeit ist die Spezialisierung in Bereichen wie Machine Learning, Site Reliability Engineering, DevOps oder Architektur.

Vielleicht sind diese Karrierewege in deinem Unternehmen nicht klar definiert. Doch die beschriebenen Verantwortlichkeiten existieren fast immer – irgendwo in der Organisation. Warte also nicht auf die passende Titelbezeichnung: Übernimm diese Aufgaben schon heute, um deinen Wert sichtbar zu machen und deine Bereitschaft für den nächsten Karriereschritt zu beweisen.

Wir müssen ein Gleichgewicht zwischen technischen und interdisziplinären Fähigkeiten finden.

Praktische Tipps:

  • Erstelle einen Überblick über die Karrieremöglichkeiten in deinem Unternehmen oder deiner Branche, um die verfügbaren Wachstumspfade zu verstehen.
  • Identifizieren die Lücke zwischen deiner aktuellen Position und deiner Zielposition, wobei du dich sowohl auf technische als auch auf nicht-technische Skills konzentrieren sollten.
  • Übernehme bereits vor Erhalt der Position die Aufgaben der gewünschten nächsten Position, um deine Bereitschaft zu demonstrieren.

Das Business verstehen

Als Entwickler geht unsere Aufgabe weit über das Schreiben von Code hinaus – wir schaffen durch Technologie geschäftlichen Mehrwert. Um die richtigen Lösungen zu entwickeln und angemessene Entscheidungen zu treffen, benötigen wir ein tiefgreifendes Verständnis dafür, was unser Unternehmen tatsächlich benötigt.

Wir können uns nicht allein auf Kunden (die oft nicht genau wissen, was sie wollen) oder den Fachbereich verlassen, um uns zu leiten. Wir müssen Verantwortung dafür übernehmen, uns ausreichende Geschäftskenntnisse anzueignen: Wir müssen verstehen, wie unser Unternehmen Geld verdient, welche Produkte am erfolgreichsten sind, wer unsere wichtigsten Kunden sind und wo Ressourcen eingesetzt werden müssen.

Dieses Geschäftsverständnis ermöglicht es uns, unsere Zeit effizient zu nutzen, Prioritäten effektiv zu setzen und bessere Kompromisse zu finden. Wir wissen, wo wir unsere Energie investieren müssen, um maximale Wirkung zu erzielen.

Praktische Tipps:

  • Begleite Kollegen aus anderen Abteilungen, um den gesamten Valuestream zu verstehen.
  • Setze dich regelmäßig mit der Unternehmensstrategie und den Unternehmenszielen auseinander und verstehen nicht nur, was diese sind, sondern auch, warum sie existieren.
  • Suche und analysiere aktiv Kundenfeedback, um die tatsächlichen Bedürfnisse besser zu verstehen.

Effektive Kommunikation

Die Zeiten, in denen Entwickler alleine in ihrer Garage arbeiteten, sind vorbei. Heute sind wir Teil größerer Teams und komplexer Organisationen und arbeiten mit verschiedenen Interessengruppen zusammen – Dienstleistern, Kunden und unterschiedlichen Geschäftsbereichen. Es ist unerlässlich, zu lernen, wie man effektiv mit diesen Interessengruppen kommuniziert.

Das bedeutet, ihre Sprache zu sprechen und nicht nur Techie-Sprache. Es ist unabdingbar sich branchenspezifische Fachbegriffe zu erlenen, um Anforderungen und Wünsche richtig zu verstehen.

Darüber hinaus benötigen wir eine proaktive Zusammenarbeit mit Stakeholdern, um deren Motive, Wünsche und Bedürfnisse zu verstehen. Durch den Aufbau von Allianzen und die Förderung gemeinsamer Interessen können wir Ideen umsetzen und gemeinsam Erfolg haben.

Praktische Tipps:

  • Lerne die für deine Branche relevante Geschäftsterminologie, um mit Stakeholdern auf Augenhöhe zu kommunizieren.
  • Plane proaktiv regelmäßige Treffen mit wichtigen Stakeholdern, um deren Prioritäten und Herausforderungen zu verstehen.
  • Übe technische Konzepte in Geschäftsbegriffe zu übersetzen, die bei verschiedenen Zielgruppen Anklang finden

Aufgabe vs. Impact

Es ist entscheidend, den Unterschied zwischen einer Aufgabe und ihrer tatsächlichen Auswirkung, dem Impact, zu verstehen. Als ein Beispiel nehmen wir das Verschieben eines Checkout-Buttons auf einer Website. Das mag wie eine einfache Frontend-Aufgabe erscheinen, die nur eine Zeile Code erfordert. Die Auswirkungen könnten jedoch fürs Business enorm sein – möglicherweise steigt der Umsatz um ganze 6 %, da den Knopf mehr Kunden erreichen. Eine kleine Änderung kann einen großen Impact bewirken.

Ein einfaches mentales Modell, das uns dabei hilft: Stell dir vor, jeder Entwickler hätte einen virtuellen Geldwert, der den Wert repräsentiert, den er für das Unternehmen schafft. Einige haben aufgrund ihrer größeren Erfahrung und ihres Einflusses einen höheren Wert, andere einen geringeren. Unser Ziel ist es, diesen virtuellen Wert zu steigern, indem wir unsere Effektivität und Wirkung verbessern. Dies ist praktisch nicht berechenbar, und Vergleiche sind nicht möglich, da jeder Mensch individuell ist. Dennoch dient dieses Konzept als Brücke, um uns zu motivieren, unseren eigenen Wert zu steigern, indem wir bewusst an unserem Einfluss und unseren Fähigkeiten arbeiten. Indem wir unsere Wirkung steigern, tragen wir mehr zum Erfolg des Unternehmens bei.

Für Entwickler ist es wichtig, sowohl die spezifische Aufgabe als auch ihre zugrunde liegende Wirkung zu verstehen. Dies hilft uns, den wahren Wert unserer Arbeit zu erkennen und fundierte Entscheidungen darüber zu treffen, wo wir unsere Zeit und Energie investieren, um den größtmöglichen Nutzen für das Unternehmen zu erzielen. Zum Beispiel beim Verschieben des Checkout-Buttons.

Praktische Tipps:

  • Frage immer nach den geschäftlichen Auswirkungen jeder Aufgabe, um ihre Bedeutung über die technischen Anforderungen hinaus zu verstehen.
  • Betrachte deine Arbeit sowohl aus technischer als auch aus geschäftlicher Sicht, um ihren Wert besser vermitteln zu können.
  • Konzentriere deine Energie auf Aufgaben mit hoher Wirkung, auch wenn diese technisch vielleicht nicht besonders interessant sind

Wissensaustausch

Ein Workflow zur Behebung eines Fehlers oder zur Entwicklung eines neues Features

Stelle dir einen typischen Entwickler-Workflow vor: Analysieren, implementieren, testen und bereitstellen einer neuen Funktion oder Beheben eines Problems.

In diesem einfachen Workflow wäre die Aufgabe nach der Lösung des Problems abgeschlossen. Aber wir können diesen Workflow durch die Nutzung interner Ressourcen noch wertvoller machen. Anstatt uns ausschließlich auf externe Quellen wie Stack Overflow oder Google zu verlassen, könnten wir Kollegen fragen: Wie haben andere Teams dieses Problem gelöst? Welche internen Best Practices gibt es? Dies fördert den Austausch und nutzt die Erfahrungen anderer.

Erweiterung unseres Workflows

Noch wichtiger aber ist der letzte Schritt: Nach der Implementierung einer Lösung sollten wir unser Wissen aktiv weitergeben. Ein guter Entwickler löst ein Problem, ein ausgezeichneter Entwickler teilt seine Lösung, damit andere davon profitieren und Standards weiterentwickelt werden können. Dies verbessert die Anwendungslandschaft und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Darüber hinaus ist es wichtig, Wissensmonopole aktiv zu vermeiden, indem wir unser Fachwissen teilen und andere in unsere Themen einbeziehen. In der Vergangenheit war Unersetzbarkeit vielleicht ein Zeichen für Arbeitsplatzsicherheit, heute ist es eher ein Warnsignal, wenn Wissen nicht geteilt wird. Der Schlüssel zum Erreichen einer höheren Ebene liegt darin, andere zu befähigen und gemeinsam zu wachsen.

Praktische Tipps:

  • Dokumentiere Lösungen für häufige Probleme in einer gemeinsamen Wissensdatenbank, auf die dein Team zugreifen kann.
  • Plane regelmäßige Wissensaustauschsitzungen, in denen Teammitglieder Lösungen für interessante Probleme vorstellen können.
  • Betreue Nachwuchsentwickler, um deine Wirkung zu vervielfachen und eine Kultur des kontinuierlichen Lernens zu schaffen.

Perspektive des Managers

Führungskräfte sollten nicht nur als hierarchische Vorgesetzte betrachtet werden, sondern als wertvolle Ressourcen, die unsere berufliche Entwicklung unterstützen können. Sie haben einen Überblick über größere Zusammenhänge, verstehen strategische Entscheidungen und können uns dabei helfen, unsere Prioritäten besser zu setzen. Anstatt nur Anweisungen entgegenzunehmen, sollten wir sie als Sparringspartner nutzen – sei es, um Feedback zu erhalten, Einblicke in Unternehmensentscheidungen zu gewinnen oder unsere eigenen Ideen und Karriereziele zu diskutieren.

Eine gute Vorbereitung ist entscheidend für effektive Gespräche. Vor einem Einzelgespräch lohnt es sich, zu überlegen, welche Themen derzeit wirklich relevant sind. Welche Fragen habe ich? Welche Herausforderungen sehe ich? Welchen Mehrwert bringt dieses Gespräch? Eine gute Strukturierung hilft nicht nur uns, sondern auch dem Vorgesetzten, das Gespräch produktiv zu gestalten. Gleichzeitig sollte der persönliche Aspekt nicht verloren gehen – Vertrauen ist die Grundlage für eine starke Zusammenarbeit.

Aus Sicht des Vorgesetzten ist es besonders wertvoll, wenn Mitarbeiter aktiv vorausdenken und Verantwortung für den Austausch übernehmen. Gemeinsame Notizen oder Dokumentationen können dazu beitragen, Gespräche nachvollziehbar und nachhaltig zu gestalten. Letztendlich sind die Ziele unseres Vorgesetzten auch unsere eigenen – wenn wir sie kennen, können wir seine Entscheidungen besser verstehen und aktiv zu ihrer Umsetzung beitragen.

Ein oft übersehener Punkt sind Erwartungen: Was erwartet mein Vorgesetzter von mir? Genauso wichtig ist es jedoch, dass wir unsere eigenen Erwartungen und Karriereziele offen kommunizieren. Das schafft Klarheit und bietet Raum für gezieltes Feedback und Unterstützung. Eine gute Führungskraft sollte als Mentor und Coach fungieren, um unsere Entwicklung zu fördern.

Ein letzter, aber entscheidender Punkt: Führungskräfte sind nicht nur dazu da, unsere Probleme zu lösen. Anstatt nur Herausforderungen zu präsentieren, sollten wir direkt Lösungsszenarien einbringen und aktiv an der Umsetzung arbeiten. Das zeigt Eigenverantwortung und stellt sicher, dass unsere Ideen nicht nur gehört, sondern auch umgesetzt werden.

Praktische Tipps:

  • Komme mit einer vorbereiteten Agenda zu Einzelgesprächen, die deine aktuellen Herausforderungen, Erfolge und konkrete Fragen enthält.
  • Bringe neben Problemen auch Lösungen und Ideen, um Ihre Problemlösungsfähigkeiten und Ihre Initiative zu demonstrieren.
  • Spreche deine Karriereziele ausdrücklich an und bitte um konkretes Feedback zu deinen Fortschritten auf dem Weg dorthin.

Die Umsetzung

Die vielen Dimensionen, die wir auf unserem Karriereweg berücksichtigen müssen, stellen eine große Herausforderung dar. Es ist jedoch wichtig, sich vor Augen zu halten, dass dieser Entwicklungsprozess ein Marathon und kein Sprint ist. Es geht darum, Schritt für Schritt voranzukommen, indem man sich vielleicht jedes Quartal auf eine bestimmte Dimension konzentriert.

Das tägliche Arbeit wird sich verändern: weniger Einzelaufgaben, mehr Kommunikation mit dem Unternehmen und den Stakeholdern und mehr Zeit für Mentoring und Wissensaustausch. Dieser Ansatz ist nicht für jeden geeignet, bietet aber die Möglichkeit, auf einer höheren Ebene zu agieren.

Eine der größten Herausforderungen besteht darin, den Raum zu schaffen, um Dinge in größerem Maßstab voranzutreiben. Spreche mit deiner Führungskraft, hole dir Feedback ein und kommunizieren deine Pläne und Ziele klar innerhalb des Teams. Das schafft nicht nur Verständnis, sondern auch Unterstützung und ist ein wichtiger erster Schritt in Richtung Veränderung.

Denke daran, deinen Arbeitstag bewusst zu gestalten, ohne dich vollständig aus den täglichen Team-Aufgaben zurückzuziehen. Es geht darum, ein Gleichgewicht zu finden und Veränderungen schrittweise zu integrieren. Schließlich geht es darum, gemeinsam zu wachsen und die eigene Entwicklung in die Hand zu nehmen.

Es gibt viele gute Ressourcen, um sich weiterzubilden und seine Entwicklung zu fördern. Aber die wertvollste Ressource sind wir Entwickler selbst. Nutze dein Netzwerk, spreche offen über deine berufliche Entwicklung und lasse keine Stigmatisierung aufkommen. Sei proaktiv – wir sind für unsere eigene Entwicklung selbst verantwortlich!

Praktische Tipps:

  • Blockiere in deinem Kalender Zeit speziell für übergeordnete Aufgaben wie Mentoring, Wissensaustausch und strategisches Denken.
  • Setze dir vierteljährliche Entwicklungsziele, die sich jeweils auf einen Kompetenzbereich konzentrieren, um sich nicht überfordert zu fühlen.
  • Baue dir ein Netzwerk aus Kollegen auf, die ebenfalls ihre Karriere vorantreiben möchten, um sich gegenseitig zu motivieren und auszutauschen.

Denk daran, dass deine berufliche Entwicklung letztendlich in deinen Händen liegt. Der Weg über die Position des Senior Developers hinaus ist in deinem Unternehmen vielleicht nicht klar vorgezeichnet, aber durch deine persönliche Weiterentwicklung bereitest du dich unabhängig von der formalen Struktur deines Unternehmens für den nächsten Schritt vor.

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