Legändere JavaOne Konferenz wird zur Oracle Code One – viel mehr als Java

Der neue Name und, dass das Wort „Java“ fehlt, deutete es bereits an: Auf der Oracle Code One es geht nicht mehr nur um Java. Mehr Programmiersprachen, vielfältigeres Programm, noch mehr Tracks. Entwickler aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt kamen unter dem Motto „Live for the Code“ in San Francisco zusammen, um sich über unterschiedlichste Technologien in über 600 Vorträgen zu informieren und auszutauschen.

Trotz Namens- und Umgestaltung des Designs gab es wie eh und je unzählige Workshops, Hands-on Labs und Sessions zu den unterschiedlichsten Java-Themen. Darüber hinaus wurde das Angebot aber mit Themen wie Container, Serverless und Cloud-Native, Big Data oder Data Science erweitert. Da ist es nicht verwunderlich, dass insgesamt über 8.000 Teilnehmer die Oracle Code One besucht haben.

Keynote: The Future of Java is today

Unter diesem Titel präsentierten Vice President of Development George Saab und Chief Architect of the Java Platform Group Mark Reinhold, wie bedeutend die Programmiersprache Java für die Community und ihr eigenes Unternehmen ist. Sie betonten, dass Oracle sich auch künftig stark in der Weiterentwicklung von Java stark machen wird. Auch das neue Support-Modell wurde in der Keynote ausführlich thematisiert und Fragen wie: „Welche Features kann die Community erwarten?“ oder „Wie geht es weiter mit JDK?“ von Mark Reinholds beantwortet, indem er Demos aus Amber, Loom und Panama vorführte. Weiter wurde immer wieder bekräftigt, dass Java weiterhin frei und auch die transparente Entwicklung erhalten bleiben soll.

Als großen Benefit für die Java-Community wurde der Einsatz von Oracle für das OpenJDK herausgestellt, denn das freie OpenJDK soll absofort absolut identisch mit dem kommerziellen Oracle JDK sein. Dazu will Oracle für jede neue Java Version insgesamt 6 Monate lang sämtliche Updates für das Oracle JDK auch an das OpenJDK Projekt übertragen. Da anders als früher, neuerdings alle 6 Monate (immer im März und September) eine neue Java-Version frei gegeben wird und damit neue Features erfreulicherweise viel früher verfügbar sein sollen als das früher der Fall war, bekommt man den Code des Oracle JDK indirekt über das OpenJDK-Projekt immer völlig kostenlos.

Und wer dafür sein Projekt alle 6 Monate auf die neueste Java-Version umstellt, ist mit seinem Code automatisch immer auf dem allerneuesten Stand der (Java-)Technik, hält sein Projekt leichter wartbar und kann die Entstehung eines gefürchteten Big-Ball-of-Mud (kaum mehr wartbare Legacy-Applikation) endlich auf ein Minimum reduzieren.

Klingt fast schon zu gut, sodass ich an dieser Stelle viele Teilnehmer doch etwas verdutzt die Frage gestellt haben, warum man dann überhaupt noch das kostenpflichtige Oracle JDK lizenzieren soll, wenn man doch das absolut identische OpenJDK völlig lizenzkostenfrei nutzen kann? Ein Blick in die Praxis und es zeigt sich, dass es für viele Java-Teams gar nicht möglich ist, ihre Applikation alle 6 Monate auf eine neue Java-Version umzustellen, u.a. weil

  • eine Umstellung auf eine neue Java-Version sehr viel Migrations- und Testaufwand verursacht und zudem immer ein gewisses Risiko darstellt, was man nicht alle paar Monate haben möchte,
  • man auf Grund früherer Erfahrungen befürchtet, dass frisch releaste Versionen so gut wie nie stabil genug für den produktiven Einsatz sind und deshalb
  • interne Konvention die Nutzung einer niedrigeren Java-Version vorgeben, die sich als stabil erwiesen hat und zu der man deshalb Vertrauen hat, und so weiter.

Diese Zielgruppe verzichtet lieber auf die neuesten Java-Features und gibt sich nicht nur mit deutlich älteren Java-Versionen zufrieden die sich als robust erwiesen haben, sondern ist sogar bereit dafür sehr viel Geld zu bezahlen, wenn diese Versionen möglichst lange am Leben bleiben und professionell supportet werden. Genau für diese Zielgruppe bietet Oracle nun eine kostenpflichtige Subscription, die sogenannten LTS-Support (Long-Term) für bestimmte Java-LTS-Versionen an.

Der 6 Monate freie Support für das OpenJDK ist in der Praxis sogar noch sehr viel kürzer, weil die gängigen Java IDEs neue Java-Versionen erfahrungsgemäß erst 2 bis 3 Monate nach dem finalen Java-Release unterstützen, sodass Anwender unter dem Strich tatsächlich nur 3 bis 4 Monate freien Support nutzen können. Deshalb wird für viele Enterprise-Kunden die Java im Einsatz haben sehr viel dafür sprechen, Long-Term Support bei Oracle einzukaufen. Anders als Sun Microsystems hat Oracle damit eine äußerst cleveren Weg gefunden mit Java Umsatz zu generieren, um die zweifelsohne enormen Investitionen in Java auf direktem Wege wieder einzuspielen.

Anerkennenderweise erwähnen die Oracle Architekten aber auch, dass Java-Nutzer die Möglichkeit haben, OpenJDK Distributionen von Drittanbietern als Alternative zum Oracle JDK und zum Standard-OpenJDK zu verwenden. Neben IBM bieten auch Amazon mittlerweile eine eigene Variante des OpenJDK mit eigener Support-Strategie an. Ergänzend dazu stellte Matthew McCullough, GitHub VP of Field Services, das OpenJDK-Projekt Skara vor und verdeutlichte damit die Verbundenheit zwischen GitHub und Java. Bei so viel Auswahl sollten Java-Entwickler in Zukunft ganz genau darauf achten, welches JDK sie in ihren Projekten verwenden und sich mit der Thematik beschäftigen. Auf Anfrage, wann und wie man Oracle’s LTS-Subscription einkaufen kann, konnte der Vertrieb von Oracle noch keine Aussagen treffen.

Keynote Oracle Cloud Plattform

„Building next generation cloud-native applications becomes more and more important“. So stellte Amit Zavery, Executive Vice President Fusion Middleware and Paas Development von Oracle, gleich zu Beginn der Keynote heraus, welche Bedeutung Cloud für die künftige Anwendungsentwicklung haben wird. Besonders wichtig sei es auch, kontinuierliche Innovationen in der Cloud voranzutreiben. Hervorgehoben wurde die Wahlfreiheit der Technologie-Stacks und die breite Unterstützung unterschiedlicher Varianten von Digital-Assistent-Services, beispielsweise Alexa oder Siri.

Matt Thompson, Vice President of Developer Engagement and Evangelism Cloud Platform, und sein Team demonstrierten anhand eines Car-Selling-Chatbots, wie die Kommunikation mit dem User mittels Künstlicher Intelligenz, welche das selbstlernende Conversation-Interface trainiert, übernommen wird. Die Business-Logik wurde über Serverles-Functions mit Fn-project gesteuert und stellte somit die Verbindung zum Backend dar. Via Blockchain-Cloud wurde dann der eigentliche Autoverkauf abgewickelt.

Keynote Cloud Native Computing

Im Anschluss an die vorangegangene Keynote erläuterte Dee Kumar (Cloud Native Computing Foundation), warum Open-Source, besonders im Umfeld der Cloud so wichtig ist. Zu den bekanntesten Open-Source-Projekten zählen derzeit Kubernetes und Prometheus. Diese und weitere Projekte auf eine professionelle Ebene zu heben, ist Ziel der CNCF. Am Beispiel von Kubernetes zeigt sich, wie bedeutend diese Projekte sind und zum Wachstum von Cloud-nativen Technologien beiträgt. Anhand einer Cloud-Native-Trail-Map schilderte Kumar die Herausforderungen der einzelnen Schritte und den Umgang mit ihnen anhand von Technologien und Werkzeugen.

Oracle Groundbreakers

Wie wichtig eine aktive Community ist, zeigt vor allem das kürzlich eingeführte Groundbreaker-Ambassador-Programm. Steven Chin, Director Oracle Developer Community, stellte das Programm im Rahmen der Keynote vor: Besonders aktive und innovative Entwickler aus der Community werden mit dem Groundbreaker-Award ausgezeichnet. Im ersten Jahr wurden die Groundbreakers von Oracle nominiert. Künftig soll die Nominierung aber durch jeden möglich sein. Bedingungen für eine Nominierung sind besondere Technologieleidenschaften für beispielsweise Programmiersprachen, Tools & Frameworks, Datenstrukturen, AI, DevOps, Container uvm. Im ersten Jahr wurden Doug Cutting (Co-Creater Hadoop), Neha Narkede (Co-Founder Apache Kafka), Charles Nutter (Co-Creator JRuby), Graeme Rocher (Co-Creator Grails + Micronaut) und Guido van Rossum (Creator Python) ausgezeichnet.

IBM Keynote: Coding in the Cloud

Im Mittelpunkt dieser Keynote, moderiert von John Duimovich, IBM Distinguished Engineer, und Tim Ellison, IBM Java CTO, stand das Zusammenspiel von OpenJDK und OpenJ9, einer Java-VM die von IBM entwickelt und anschließend an die Eclipse Foundation übergeben wurde. Verdeutlicht wurde das Ganze in einer Demo von Mark Stoodley, Eclipse OpenJ9 Project Lead, zur Wirkungsweise von Ahead-of-Time und Just-in-Time-Compilation und somit die Möglichkeit, angrenzende JVM-Aufgaben als Cloud-Services auszulagern.

Community Keynote: The Code Avenegers

Bei der Community Keynote standen traditionell Aktivitäten der Java-Community und der Spaß an erster Stelle. Avengers Infinity War mal anders: Regisseur und Darsteller Stephen Chin spielte „Dr. Stephen Strange“ neben den anderen Darstellern, die alle aus der Java-Community stammten und voll und ganz in ihren Rollen der Avenger-Helden aufgingen. Zunächst mussten die begehrten Steine gefunden und auf ihre Echtheit überprüft werden. Im Anschluss konnten sie mit Coding-Intelligenz in den magischen Handschuh eingesetzt werden. Die Steuerung wurde von der Software „Glovernetes v2.0“ aus den „JCP LABS“ übernommen. Der Zustand „Stone Processing In Progress“ wurde so lange gemeldet, bis Dr. Stephen Strange davon überzeugt war, dass Coding das Universum retten kann.

JCP Party

Natürlich waren auch die JCP Partys Höhepunkte dieser Konferenz, bei der Entwickler neben angeregten technischen Diskussionen ausgelassen feiern konnten.

Fazit:

Der Aufschrei der Java-Community war sehr groß, als bekannt wurde, dass die traditionsreiche, weltgrößte Java-Konferenz JavaOne durch ein neues Konzept ersetzt werden soll. Der Namenswechsel hat der Konferenz keinen Abbruch getan, die Teilnehmer äußerten sich in Gespärchen durchweg positiv. Das zeigte sich vor allem in der Begeisterung für die Fertigstellung von Java SE 11 und der Öffnung für ein breiteres Themenspektrum, während der Fokus auf Java dennoch erhalten blieb. Da Themen wie Container, Cloud oder DevOps mittlerweile zum festen Bestandteil der Arbeit von Java-Entwickler gehört und Java-Entwickler kaum mehr ohne diese auskommen und unbedingt darüber Bescheid wissen sollten, war die Aufnahme dieser Themen in die weiterhin weltgrößte Java-Konferenz definitiv der richtige Schritt. Unsere JAVAPRO-Autoren werden auch im nächsten Jahr wieder dabei sein und freun sich bereits jetzt schon auf die Oracle Code One 2019. Wer noch nie in San Francisco dabei war, kann sich auf der Oracle Code Berlin 2019 völlig kostenlos einen ersten Eindruck verschaffen, was einem auf auf der Oracle Code One in San Francisco mit 10 Mal mehr Teilnehmer erwartet.

 

 

 

Markus Kett


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